Die innere Bedeutung des Oṃ namaḥ shivāya

Die innere Bedeutung des Oṃ namaḥ shivāya

Die Recognition Sūtras
von Christopher Hareesh Wallis – www.hareesh.org

Von der ersten Seite meines Buchs “Die Recognition Sūtras”:
Eine Übersetzung und Erklärung von ‘Das Herz der Lehren über die Erkenntnis von sich selbst als Gott ’ (Pratyabhijñā-hṛdayam):

Oṃ namaḥ śivāya satataṃ pañca-kṛtya-vidhāyine |
cidānanda-ghana-svātma-paramārthāvabhāsine || 1 ||

Ja! Verehrung (Ehre) an das Göttliche, welches fortwährend die fünf Handlungen (der Schöpfung, Bewahrung, Resorption, Verschleierung und Offenbarung) ausführt — und auf diese Weise die ultimative Realität unseres (seines eigenen) Selbst offenbart, die nichts anderes als das Glück des Gewahrseins ist.

Pratyabhijñā-hṛdayam Vers 1
Pratyabhijñā-hṛdayam Vers 1 chanted by Hareesh

Kṣemarāja beginnt seine Arbeit mit dem glücksverheißenden Wort namas,[1] “Verehrung,” “Huldigung,” oder “Hommage,” von der Wurzel nam, “verbeugen”. Sich zu verbeugen ist der Beginn und das Ende des spirituellen Wegs. Es bedeutet demütig zu sein, die unendliche Majestät des Göttlichen anzuerkennen. Es ist Ehrfurcht im Angesicht des großen Mysteriums. Es ist die Erkenntnis, dass unser Geist (mind) mit all seiner Kraft, lediglich der vergängliche und flüchtige Ausdruck des einen Bewusstseins ist, das die gesamte Realität durchdringt (das ist der Grund warum wir den Kopf senken, wenn wir uns verneigen). Dieses göttliche Bewusstsein ist das Objekt von Kṣemas Hingabe: namaḥ śivāya, “Verehrung von Śiva.” In seiner Tradition des nicht-dualen Śaiva Tantra, bezeichnet der Name Śiva (wörtlich., “gütig”) das einzige allgegenwärtige göttliche Gewahrsein, welches sowohl die Grundlage als auch die Substanz der gesamten Realität ist.

Kṣemarāja ist ein Nichtdualist, daher vertritt er die Auffassung, dass Śiva die essentielle Natur eines jeden bewussten Wesens darstellt. In dieser Sichtweise gibt es keinen “Anderen” vor dem man sich verneigt, also versteht Kṣema die Bedeutung von namaḥ śivāya als “Ich lasse mein Bewusstsein mit meiner göttlichen Natur verschmelzen.” Er verwendet namas äquivalent zum Wort samāveśa, welches im Śaiva Tantra die Erfahrung der Einheit mit dem Absoluten bezeichnet, oder noch genauer die Erfahrung ein einzelnes Selbst mit Gott zu teilen. (Diese Erfahrung soll während des temporären Wegfallens unserer falschen Identifikation mit dem Körper-Verstand entstehen, welche die wahre Realität des Einsseins verdeckt.) Zu argumentieren, dass sich die Worte namas und samāveśa entsprechen, ist nicht so schwer, denn welch größere Ehrerbietung gibt es, als die Verschmelzung des Selbst mit dem Objekt unserer Hingabe? Welch größeren Ausdruck von Demut gibt es, als unser Gefühl des Getrenntheit aufzulösen? Welch größere Huldigung gibt es, als anzuerkennen, dass nur das Göttliche wirklich existiert? Solche Verehrung ist das Loslassen (Befreiung) von allem, was dich davon abhält, zurück in das Herz deiner Wesensessenz zu fallen. 

Versuche es jetzt. Flüstere leise zu dir selbst: “Oṃ namaḥ śivāya. Ich erlaube meinem Bewusstsein mit meiner wahren göttlichen Natur zu verschmelzen”. Nimm einen tiefen Atemzug, und öffne dich dem heiligen Kern deines Wesens. Wertschätze den kleinsten Funken davon in Stille und mach keine große Sache daraus. Wenn der Moment kommt in dem die Erfahrung nicht länger anhält, lass sie gehen und kehre zurück zum Buch.

[1] Namaḥ ist eine Form des Wortes namas (wie in namaste).

Übersetzung: Daniela und Marion für Hareesh

Orginal:
The Recognition Sūtras – On the inner meaning of Oṃ namaḥ shivāya

Die Kommentare sind geschloßen.